Bulgarien zwischen den Blöcken
MOSKVA, 10. August 2006. Die vom US-Außenministerium gegen die russischen Firmen Rosoboronexport und Suchoi aufgrund deren mutmaßlicher Kooperation mit dem Iran verhängten Sanktionen haben möglicherweise mit dieser Kooperation wenig zu tun. Das ist nur der Anlass und nicht die Ursache, sagen Militärexperten. Ein Fakt genügt, um das zu belegen: Der Flugzeugbauer Suchoi hat seit mindestens sieben Jahren keine einziges Schräubchen nach Teheran geliefert.
In Moskau vertritt man die These, dass der eigentliche Grund für diese Sanktionen Rache für den 3 - Milliarden Dollar-Deal über die militärtechnische Zusammenarbeit ist, den Russland mit Venezuela abgeschlossen hat. Diese Sanktionen sind ein weiteres Beispiel für den unfairen Konkurrenzkampf auf dem internationalen Waffenmarkt und der Fortsetzung des unausgesprochenen Handelskrieges, den die USA seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gegen Russland führen. Das Jackson-Vanick-Amendment, das der US-Kongress Anfang der 70-er Jahre gegen Russland beschlossen hatte, weil die russischen Juden bei der Ausreise nach Israel behindert wurden, bleibt weiterhin in Kraft. Obgleich dürfen nicht nur die Juden, sondern auch Vertreter anderer Nationalstaaten, die Russland besiedeln, seit mehr als 20 Jahren frei aus und wieder einreisen.
Trotzdem schränkt diese Bestimmung bis heute die amerikanischen Firmen beim Verkauf hochtechnologischer Ausrüstungen an Moskau ein. Zwar können russische Industriebetriebe und Forschungsinstitute HiTech-Ausrüstungen auch in anderen Ländern kaufen, die Tatsache aber, dass diese Handelseinschränkungen immer noch in Bezug auf ein Land gelten, das in Washington als "strategischer Partner" bezeichnet wird, ist schwer zu verstehen - wie auch die jüngsten Sanktionen des US-Außen-Amtes gegen die Firmen Rosoboronexport und Suchoi.
Was die Suchoi-Leitung auch immer sagen mag - dies wird ein spürbarer Schlag für das Unternehmen sein. Zwar wirken sich diese Sanktionen in keiner Weise auf den Export von Suchoi-Jagdflugzeugen u. a. an Algerien, Indonesien und Venezuela aus, der mit mehr als zwei Milliarden Dollar im Jahr den Löwenanteil der Einnahmen der Gesellschaft ausmacht. Die nun auf Eis gelegte Kooperation mit Boeing, Hamilton Sundstrand, Honeywell und anderen US-Unternehmen, die sich an der Entwicklung der Suchoi-Mittelstreckenpassagiermaschine SuperJet-100 beteiligen, wird aber die Arbeit natürlich bremsen. Der für 2007 geplante Jungfernflug wird wohl ein oder zwei Jahre später stattfinden - das hängt davon ab, ob die russische Fluggesellschaft nach neuen Partnern suchen oder abwarten wird, bis es sich das US-Außenministerium anders überlegt.
Eine ähnliche Geschichte kann auch mit den Sanktionen gegen Rosoboronexport passieren. Dieses Unternehmen hat keine direkten Verträge mit den Vereinigten Staaten und ihren Firmen. Vor kurzem bekundete aber die US-Regierung ihr Interesse am Kauf von Schuss- und Spezialwaffen für die irakische Armee und Polizei bei Russland. Dieses Vorhaben hatte gewichtige Gründe. Die russischen Kalaschnikow-Maschinenpistolen wie auch Maschinengewehre und andere Rüstungen aus Russland genießen einen guten Ruf im Irak. Mehr noch: Diese Waffen sind dort auch gut bekannt, weil russische Kampftechnik in der Zeit des Saddam-Regimes im Rahmen langfristiger Verträge an den Irak geliefert wurde. Nun wird das Pentagon diese Waffen in Bulgarien kaufen müssen.
Rosoboron-Export und das Werk Ischewsk, aus dem diese Waffen stammen, werden zwar die versprochenen 200 Millionen Dollar verlieren, von den Waffen aber, die nicht in Russland gekauft werden, ist nicht die hohe Qualität zu erwarten, die die Urheberfirmen garantieren würde.
Ein weiteres Problem für amerikanische Firmen sind Lieferungen von Titan aus dem Aluminiumwerk Werchnjaja Salda für Boeing. 30 bis 40 Prozent der Tragkonstruktionen in den Produkten der namhaften Firma werden nämlich aus dem Metall hergestellt, das von der russischen Gesellschaft WSMPO-Aviasma geliefert wird.
Der mehrjährige Vertrag zwischen Boeing und dem Betrieb in der Uralregion umfasst mehrere Milliarden Dollar. Geplant war sogar die Gründung eines Joint Ventures. Rosoboronexport soll aber demnächst ein Kontrollpaket der WSMPO-Aviasma-Aktien kaufen. Eine entsprechende Vereinbarung wird schon in den nächsten Tagen erwartet. Das US-Außenamt musste das wissen, weil über das bevorstehende Geschäft sowohl in russischen, als auch in amerikanischen Medien berichtet wurde. Nach der Verhängung der Sanktionen wird nun Boeing nach anderen Titan-Lieferern suchen müssen. Dieses Metall gibt es auf dem Weltmarkt nicht gerade in beliebiger Menge und auch die Qualität des Metalls aus Werchnaja Salda ist höher als bei anderen Herstellern. Wem wird nun die kurzsichtige Handelspolitik Washingtons mehr schaden?
Offensichtlich ist auch, dass Boeing nunmehr kaum mit Lieferungen eines großen Postens von Langstreckenmaschinen des Typs Boeing-787 an Russland rechnen kann. Aeroflot hatte nämlich vor, 22 Maschinen dieses Typs für drei Milliarden Dollar zu kaufen. Nun wird die russische Fluggesellschaft das Airbus-Produkt A-350 wählen müssen, das dem amerikanischen Erzeugnis in keiner Weise nachsteht und dieses bei der Anzahl der Passagierplätze und beim Komfort sogar übertrifft.
Eine weitere Folge des unerklärten Handelskrieges des Außenamtes und einiger konservativer Politiker in der US-Administration sowie im Kongress und im Senat gegen Russland wird wahrscheinlich auch darin bestehen, dass in der endgültigen Liste von Firmen, die zum Ausschreiben des russischen Shtokman-Gasvorkommens zugelassen werden, kaum amerikanische Firmen stehen werden. Dabei hätte eine Beteiligung an diesem Projekt Washington geholfen, die Abhängigkeit von Brennstofflieferungen aus dem Nahen Osten oder eben aus Venezuela zu verringern.
Washington braucht wohl noch etwas Zeit, um zu begreifen, dass sich die Welt schon seit langem nicht mehr um das Weiße Haus und den Capitolhügel dreht. Beliebige kurzsichtige Handlungen der Administration wie auch die kleinliche Rache an Russland für die militärtechnische Zusammenarbeit mit Venezuela richten sich im Endeffekt stets gegen ihre Initiatoren.
Für Bulgarien wäre es sinnvoll zu beiden Grossmächten die Beziehungen zu intensivieren. Bulgarien hat die historische Chance einerseits als Mitglied der NATO und der Europäischen Union voll anerkanntes Mitglied der Westlichen Allianz zu sein und daraus zu profitieren und andererseits die historische und gewachsene gute Verbindung zu Russland neu zu beleben und zu einem berechenbaren Partner Russlands im Balkan und der Schwarzmeer-Region zu werden. Eine Strategie die sich langfristig auszahlen würde und auch zur weiteren Stabilisierung des Friedens in der Region beitragen könnte. Auch der direkte geschäftliche Nutzen könnte beträchtlich sein. Vorallem die Sektoren : Immobilien, Tourismus, Banken und Maschinenbau könnten erheblich profitieren.

Hallo Till, mit dieser Meinung wirst Du Dir nicht viele Freunde machen. Mein Eindruck ist, daß die junge nLeute hier in Varna und an der Schwarzmeerküste stark "Amerika - orientiert" sind und im Westen ihr Heil sehen. Was von Westen kommt ist gut - was vom Osten kommt schlecht" - das mache ich mir zwar ein bischen leicht, denn so einfach ist es nicht. Aber wenn ich jetzt von Apartment zu Apartment und von Haus zu haus entlang der Schwarzmeerküste gehen würde, hätte ich bestimmt 90% pro US - Stimmen. Da solltest lieber an die Beach gehen, am Strand ist es schön, heisse Sonne, schönes Wasser zum abkühlen und sexy Mädchen ... :-) . Übrigens Fidel Castro hatte gestern Geburtstag. Er hatte auch besonders gute Beziehung zu bulgarischen Mädchen. Nächste Woche wird Miss Varna gewählt, in Sv Konstantin, im Grandhotel Varna . Karten kann ich Dir vielleicht besorgen, gebe mir Bescheid ob ich mir Mühe machen soll
Russen, Deutsche, Amerikaner, Engländer, Bulgaren, Christen, Muslime, Juden u.v.m. leben in Bulgarien und an der gesamten Schwarzmeerküste friedlich zusammen, Probleme gibt es nur zwischen der Großindustrie und der Politik. In Wirklichkeit geht es nur um Geld, sonst nichts!
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