Kyrillisch lernen
Wer in Bulgarien leben möchte, muss unbedingt die bulgarische Kyrillika lernen. Ich hatte es mir sehr schwer vorgestellt, die Schriftzeichen zu erlernen. Es gibt Buchstaben, die gleichen den Buchstaben des lateinischen Alphabets. Jedoch werden sie zum Teil gleich ausgesprochen, zum Teil aber auch nicht. Dann gibt es Schriftzeichen, die es im lateinischen Alphabet nicht gibt. Sie symbolisieren Laute, für die es deutsche Buchstaben gibt, aber auch Laute, für die das nicht gilt.
An einem Samstag im letzten Jahr fasste ich mir ein Herz und fing an zu lernen. Was mich erstaunte: Bereits am Sonntag konnte ich kyrillisch lesen und schreiben. Zwar wie ein Erstklässler (Buchstaben um Buchstaben decodieren) aber immerhin.
Ich kein besonderes Sprachtalent, ich glaube, fast jedem fällt das Erlernen der bulgarischen Schrift so leicht. Also, egal ob Sie als Tourist nur für kurze Zeit hier sind oder länger bleiben wollen: Lernen Sie Kyrillisch! Es macht Spaß und Sie können mächtig Eindruck schinden gegenüber den analphabetischen Landsleuten ;-)

Veliko Tarnovo, Stadt im Felsen
Der Regen prasselt gegen die Fensterscheiben. Wird immer staerker unddichter. Die Aussicht wie durch ein Milchglas gefiltert. Verweinte graue Landschaft sind die Perspektive. Links und rechts erheben sich schroffe Felsen in die Hoehe. Noch vor vier Stunden war ich am Meer in Varna, hatte mich in einer HighTech Zahnklinik behandeln lassen (Dentaprime). Kaum zu glauben, wenn ich nun aus dem Fenster sehe. Der Zug wird langsamer und langsamer. Die Fahrgaeste packen gemaechlich ihr Hab und Gut, draengen aus dem Abteil. Ich kann keinen Ortsnamen erkennen, frage meinen Nachbarn: Veliko Tarnovo? Sein Kopfwackeln ist nicht eindeutig zu interpretieren. Weder ein Schuetteln noch ein Nicken. Viel eher ein Vielleicht, das mir auch die Aussteigenden signalisieren. Mit einem Vielleicht gebe ich mich nicht zufrieden, haenge mir meine rote Tasche um, schnappe meinen Rucksack und stolpere nach dem Pfiff des Schaffners noch hastig aus dem Wagon.
In der Wartehalle spricht mich ein alter Mann an. Auf Deutsch, natuerlich. Ich sehe mich um. Rote Regenjacke traegt hier keiner. Auch sonst keine Touristen zu sehen. Ja, er habe auf mich gewartet. Das sei doch der Zug aus Varna, nicht wahr? Ja, ja, aus Varna komme ich. Er habe eine schoene Pension, ich solle doch mitkommen. Nicht teuer und direkt in der Altstadt, im Zentrum. Er werde mich mit dem Auto hinfahren. Ich lasse mich auchueberreden.
Boris T. muss den Weg wohl auswendig kennen, denn er faehrt fast blind durch die Strassen. Scheibenwischer hat das Auto keine , oder auch keine mehr. Der stroemende, klatschende Regen erschwert das Fortkommen. Fahrzeuge bleiben einfach mitten auf der Strasse stehen. Das Wasser sammelt sich und kann nicht abfliessen. Am Schwarzen Meer merkte ich nichts von der Flutkatastrophe, die diesen Sommer in weiten Teilen Europas ausgebrochen war. Doch hier im Landesinneren sehe ich, dass auch Bulgarien von den Wassermassen nicht verschont bleibt.
Boris und Stefana vermieten mir ihr Schlafzimmer im Erdgeschoss, sie selbst ziehen sich mit dem Hund ins Wohnzimmer zurueck. Ich oeffne das Fenster. Langsam hoert es auf zu regnen, es wird heller und ich sehe nun, was sich hinter der Wasserflut verbirgt: Veliko Tarnovo, einstmalige Hauptstadt des Zweiten Bulgarischen Reiches (1186-1393), eine Stadt wie im Bilderbuch. 1393 wurde sie von den Tuerken erobert und zerstoert. Deshalb zeugen heute nur noch Ausgrabungen von der mittelalterlichen Hauptstadt. Im Sueden der Stadt der Balkan, im Norden das Donautiefland, im Tal windet sich der Fluss Jantra. Das koenigliche Tarnovo. Heute steht es unter Denkmalschutz. Die Haeuser direkt in den Felsen gebaut, sie scheinen mit ihm verwachsen zu sein. Boris' und Stefanas Haeuschen mittendrin in den Felsterrassen. Ein traumhafter Anblick. Ich mache mich auf zu einem Erkundungsgang durch die Stadt, das Wetter ist nun freundlicher, ein letzter Blick in den Spiegel, der neue Zahn sitzt perfekt, hatte ich jemals eine Luecke.
Veliko Tarnovo Altstadt
Drei Huegel umschliessen die Altstadt: Am suedlichen Jantra-Ufer erhebt sich Sveta Gora, das ehemalige geistige und kulturelle Zentrum Bulgariens im 13. und 14. Jahrhundert. Eine Zeit, in der Veliko Tarnovo auf dem Gebiet der Kunst, Architektur und Literatur eine zentrale Rolle gespielt hat, es war die Hochburg der Intellektuellen. Zahlreiche Palaeste und Kirchen entstanden, die Handwerkskunst entwickelte sich schnell, die literarische Produktion erlebte einen enormen Aufschwung.
Im Norden erhebt sich der wunderbare Trapezica-Huegel, auf dem im Zweiten Bulgarischen Reich die Bojaren und der Klerus ihre Wohnsitze und Kirchen hatten. Die Grundmauern einiger Kirchen wurden ausgegraben sowie Teile der Dekorationen und Wandmalereien wurden freigelegt.
Der mittlere ist der Carevec-Huegel, eine natuerliche, schwer einnehmbare Festung, auf der sich der Zarenpalast befand. Dort lag das politische und religioese Zentrum des mittelalterlichen Bulgarien. Heute ist es ein Freilichtmuseum. Die Fundamente des einstigen Palastes sind zu sehen, ein Teil der Festungsmauern wurde restauriert. Ich spaziere stundenlang durch das riesige Areal, gelange trotz wieder stДrker werdenden Regens bis zur Nordspitze und stehe plЖtzlich am Hinrichtungsfelsen, von dem man im Mittelalter VerrДter in die Tiefe hinabstЭrzte. Ich sehe die reiъende Jantra unter mir. Nebelschwaden hДngen in den HЭgeln, lassen die Gegend mystisch erscheinen, die kЖnigliche Zeit erahnen.
Carevec Ausgrabungen
Nach dem ausgiebigen Rundgang auf dem Carevec und dem herrlichen Ausblick auf die Stadt zieht es mich wieder ins Tal. Das Asen-Viertel am Fuъe des Trapezica-HЭgels war im Mittelalter das Handwerkerviertel. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Einige Kirchen sind noch aus jener Zeit erhalten. Besonders interessiert mich die Kirche der heiligen vierzig MДrtyrer aus der ersten HДlfte des 13. Jahrhunderts. Abgesehen von ihrer kЭnstlerischen Bedeutung sollen innen vor allem die SДulen des Khan Omurtag und des Ivan Asen II. sehenswert sein. Die Inschriften auf diesen SДulen zДhlen zu den Дltesten schriftlichen эberlieferungen Эber das mittelalterliche Bulgarien. Bei der Kirche angekommen ist die EnttДuschung groъ: eine Bauruine. Wenige Menschen auf der Straъe, deshalb wage ich mich auf das BaustellengelДnde. Die GittertЭr, die die Baustelle von der angrenzenden Straъe abtrennt, lДsst sich leicht Жffnen. Ich steige Эber Bauschutt, Bretter, DrДhte und komme bis an die Kirche heran. Es gibt keine Auъenmauern, das GebДude wird mit StahlpfДhlen gestЭtzt. Innen gibt es keine Kunstwerke, auch keine SДulen zu sehen. Mein ReisefЭhrer datiert von 2001, erwДhnt diese Ruine aber mit keinem Wort. Im Gegenteil. Die Kirche wird als besondere SehenswЭrdigkeit hervorgehoben. Was mag in dem einen Jahr geschehen sein. FЭr eine Restaurierung der Kirche wЭrden die AuъenwДnde wohl kaum abgetragen werden. RДtselhaft. Auf der gegenЭberliegenden Straъenseite haben es sich inzwischen einige MДnner am Wegesrand gemЭtlich gemacht, trinken Bier und plaudern. Ob sie etwas Эber die Kirche wissen? Ich frage sie auf Englisch, Tschechisch, Deutsch und schlieъlich mit HДnden und FЭъen. Das mir bereits bekannte Kopfwackeln begleitet ihre bulgarischen ErklДrungen, die ich leider nicht verstehe.
Ich gehe vorbei an der Peter-und-Paul-Kirche, die im 14. Jahrhundert erbaut, 1913 bei einem Erdbeben stark beschДdigt und schlieъlich in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts restauriert wurde, und Эberquere den Fluss, hinЭber auf das andere Jantra-Ufer, um zur dritten und Дltesten der mittelalterlichen Kirchen Veliko Tarnovos zu gelangen, zur Kirche des heiligen Demetrios von Thessaloniki. Sie wurde 1185 erbaut, als die BrЭder Asen und Petar den Aufstand gegen Byzanz verkЭndeten. Auf der alten HolzbrЭcke, die die beiden Flussufer verbindet, haben sich ein paar Leute versammelt und schauen besorgt auf die stЭrmische Jantra. Das Hochwasser hat auch hier gewuetet. Weggerissene Baeume, Straeucher und jede Menge Schlamm treiben im Wasser.
Viele Gesichter finden shc in Bulgarien, ein unglaubliches Land mit hoher Kultur, einer grossen Geschichte, wunderbaren Menschen und den Gegensaetzen aus dem draengen nach Modernitaet und einer grossen, einzigartigen europaeischen Geschichte. Kyrillisch werde ich jetzt in jedem Fall lernen.
Elias Canetti als Europäer,
Russe als europäische Stadt und beide zusammen Teil eines grossen Europa:
Europa war in den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts untergegangen. Was nützt es, nur für das Kultur- und Forschungszentrum «Haus Elias Canetti», zu kämpfen, wenn es nicht mehr als die Rose im Revers eines abgetragenen Fracks sein kann?
Kaum jemand weiss, dass in den neunziger Jahren in den Balkanländern eine Art Kulturkrieg zwischen Frankreich und Deutschland tobte, bei dem es zunächst um die sprachlich-kulturelle und schliesslich auch um die wissenschaftlich-technische Vorherrschaft ging, so weit der Siegeszug der englischen Sprache dies noch erlaubte. Vor diesem Hintergrund entschied sich die Hochschulrektorenkonferenz auch verhältnismässig leicht für die Idee: die Gründung einer Euroregion Russe - Giurgiu. Eine bulgarisch-rumänische Delegation reiste in die Euroregion Frankfurt an der Oder in Slubice und betrachtete, wie es dort zu der Gründung der Euroregion und der deutschpolnischen Universität Viadrina gekommen war. Dann ging es an die Umsetzung in Bulgarien und Rumänien.
Doch das Risiko bestand darin, dass es eine keine wirtschaftliche Basis für eine Euroregion gab; und der bürokratische Wasserkopf, den es in beiden Ländern auch zehn Jahre nach der Wende noch gab, sorgte dafür, dass inzwischen sieben Ministerien die Anträge bearbeiten. So entschloss man sich , den zweiten vor dem ersten Schritt zu tun und mit der Gründung des Bulgarisch-Rumänischen Inter-Universitären Europa-Zentrums nicht zu warten. In nur drei Jahren gelang es nicht nur, die einst einander wenig freundlich gesinnten Gemeinden Russe und Giurgiu an einen Tisch, sondern auch das gemeinsame Projekt zum Laufen zu bringen. Seit dem Wintersemester studieren 120 bulgarische und rumänische Studenten mit Recht auf freien Grenzübertritt in Russe Europäistik und in Giurgiu Wirtschaftsinformatik. Vier deutsche Partneruniversitäten sichern den Studenten, die in deutscher und englischer Sprache unterrichtet werden, ein Auslandsemester und den Abschluss eines auch in Deutschland anerkannten Diploms.
Russe ist auf dem Weg, Elias Canetti doch noch rechtzeitig zu dessen 100. Geburtstag Ehre zu erweisen, indem es die Kraft des Denkens, die Macht des Wissens, die Notwendigkeit der Grenzüberschreitung und die Möglichkeit der interkulturellen Verständigung anstrebt.
Im Wesentlichen das Ergebnis aus dem Engagement eine reinzigen Person, die für ihre Ideen begeistern konnte und Unterstützung gewann. Deutsch-Bulgarisch-Rumänische Zusammenarbeit in der Bildung in Russe und Varna, in Konstantia und Bukarest und Sofia. Wer sich mit der Kultur und Geschichte dieser Länder beschäftigt wird schnell erkennen, dass diese Region zum Kernland Europas gehört.
Hallo!
Mich würde interessieren wie man am besten kyrillisch lernt: ein Buch kaufen? Oder gibt es vielleicht eine gute Internetseite wo man das lernen kann? Mich würde es freuen wenn mir jemand helfen könnte diese Fragen zu beantworten!
micron-@web.de
grüße Linda
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